Japan mit Kleinkindern – unsere Do’s and Don’ts

Familienreise nach Japan mit Lynn (fast 4-jährig) und Kyle (18 Monate). So ziemlich alle fanden uns mutig. 17 Tage, fünf Stationen. Wir haben sehr viel erlebt, sehr viel gelernt und vor allem die Familienzeit sehr genossen.

Hier unsere ehrlichen Do’s and Don’ts, inklusive der Dinge, die nicht funktioniert haben.

🗺Unsere Route
Flug: Zürich – Warschau – Tokio (Narita), dann mit dem Taxi direkt ins Hotel
Tokio, Shinjuku – 5 Nächte
Hakone – 2 Nächte (mit dem Romancecar ab Shinjuku)
Kyoto – 5 Nächte (Shinkansen Hikari ab Odawara – unser erstes Mal Bullet Train!)
Osaka, Namba – 3 Nächte (normaler JR-Zug)
Tokio, Asakusa – 2 Nächte (Shinkansen Nozomi ab Shin-Osaka)
Mit dem Taxi nach Narita – und zurück nach Zürich

Siebzehn Nächte, fünf Standorte. Im Rückblick war das ein Ortswechsel zu viel – dazu am Schluss mehr.

🏨Unterkunft: Platz schlägt Luxus

Unsere Favoriten waren die Familien-Apartments, zum Beispiel MIMARU in Tokio. Viel Platz, kleine Küche, und Lynn war restlos verliebt in ihr eigenes Bett. Wenn man mit zwei kleinen Kindern einen verregneten Nachmittag drinnen verbringt, sind Quadratmeter mehr wert als eine schicke Lobby. Wir geniessen auch einen Tisch fürs Frühstück oder Snacks.

Die Ryokans in Hakone und Kyoto waren das Gegenteil davon, und wir mochten sie genauso. Tatami, Futon, und keine Möbel, von denen man nicht runterfallen kann – was mit einem Einjährigen ehrlich gesagt ziemlich praktisch ist. Die Aussicht aus dem Ryokan-Zimmer über den Ashi-See geht mir bis heute nicht aus dem Kopf.

Eine Kleinigkeit mit grosser Wirkung: Wir haben nie Hotelfrühstück dazugebucht und uns dafür für eine Kleinigkeit vom Family Mart entschieden. Einfach, entspannt, günstig. Mit Kindern würde ich das jedes Mal wieder so machen.

🍣 Essen: Förderband-Sushi rettet jeden Tag

Sushiro und Kura Sushi waren unsere Rettung. Günstig, schnell, bunt – und Lynn durften selbst am Tablet bestellen. Wer mit kleinen Kindern nach Japan reist, sollte sich diese zwei Namen merken. Lynn hat bestimmt 10 Teller Salmon Nigiris gegessen und Kyle mochte seine Omeletten Sushis.

Was ein bisschen schwieriger war: heisse Udon-Suppe: Eine Schüssel kochende Brühe vor einem 18 Monate alten Kind ist eine schlechte Idee, und ich war die ganze Zeit nervös. Und das eine richtige Mehrgang-Menü, das wir probiert haben, war ein Fehler. Das Essen war wunderschön. Die Kinder wollten rennen. Niemand hatte Freude. Tepanyaki ist natürlich ein Muss, aber war auch ein bisschen kritisch.

Family Mart: der heimliche Held

Unterschätzt die Convenience-Stores nicht. FamilyMart, 7-Eleven, Lawson – an jeder Ecke, rund um die Uhr offen, frisch und günstig. Von dort kam die Hälfte unserer Mahlzeiten. Unsere Favoriten:

  • Onigiri (Reisbällchen) – täglicher Begleiter. Die milden Sorten sind ideal für kleine Esser.
  • Gesalzene gekochte Eier – super Protein-Snack, keine Vorbereitung, keine Sauerei.
  • Joghurt – das schnellste Znüni, das es gibt.
  • Grüntee, warm oder kalt – mein persönliches Highlight der ganzen Reise. Und Mugicha (Gerstentee) für die Kinder, koffeinfrei.
  • und natürlich ganz viel Snacks, wie Chips, Nüsse, …

🚃Fortbewegung – und die eine Sache, die alles verändert hat

Der öffentliche Verkehr in Japan ist perfekt organisiert. Wir hatten die Suica direkt im Apple Wallet – kein Plastikkärtchen, einfach auf dem iPhone aufladen und ans Lesegerät halten. Das funktioniert im ganzen Land, in der Tokioter wie in der Osakaer Metro.

ABER. In der Tokioter Metro fehlt sehr oft der Lift, und wir haben den Buggy über mehr Treppen geschleppt, als ich zählen möchte. Davor warnt einen niemand. Plant mehr Zeit ein, als ihr denkt, und stellt euch aufs Tragen ein.

Der absolute Gamechanger war der Gepäckversand, Takkyubin. Morgens im Hotel abgeben, am nächsten Tag steht der Koffer im nächsten Hotel. Mit Zug, Buggy und zwei Kindern unterwegs zu sein und dabei kein Gepäck zu haben, ist eine komplett andere Reise. Wenn ihr aus diesem ganzen Beitrag einen einzigen Tipp mitnehmt, dann diesen.

Und etwas, das ich erst beim Schreiben herausgefunden habe: Kinder unter sechs fahren bei JR gratis mit, auch im Shinkansen, bis zu zwei pro zahlendem Erwachsenen, auf dem Schoss. Genau unsere Situation mit Lynn und Kyle.

🗾 Was wir gemacht haben
Jeden Tag ein Erlebnis – das war unser Prinzip, und im Rückblick das Beste, was wir entschieden haben. Wir waren nie lange im Hotelzimmer. Die sind in Japan ohnehin meist klein, und wir haben schnell gemerkt: Je länger die Kinder drinnen sind, desto mehr streiten sie. Draussen war Frieden.

Das hier ist nur eine Auswahl – es war noch viel mehr.

  • Sumo-Show in Tokio – kein echtes Turnier, sondern eine Show für Besucher. Genau deshalb hat es funktioniert: kurz, nah dran, gut erklärt. Ein perfektes Setup, wenn man mit kleinen Kindern kommt.
  • Ninja-Museum in Kyoto – genau das Richtige für eine knapp Vierjährige, die alles anfassen und selbst ausprobieren will.
  • Bambuswald in Arashiyama – und ehrlich gesagt war nicht der Bambus das Erlebnis, sondern dass Kyle dort endlich rennen konnte. Nach Tagen in Buggy und Trage war genau das sein Highlight.
  • Velotour durch Kyoto – mit Kindersitzen, beide Kinder hinten drauf. Kyoto ist flach, und man kommt so an Orte, die mit Bus und Buggy mühsam wären.
  • Hakone – die Fahrt mit dem Piratenschiff über den Ashi-See und die Seilbahn waren ein wunderbarer Ausflug, und alles war im Hakone Free Pass drin.
  • Nara – die Rehe fanden wir ehrlich gesagt nur so mittel. Das eigentliche Highlight war der grosse Buddha, und die Udon dort waren die feinsten der ganzen Reise. Diesmal ausser Reichweite von Kyle.

🎡 Was mit kleinen Kindern besonders gut lief

  • Hanayashiki in Tokio – unser Überraschungs-Highlight. Ein kleiner, alter, sanfter Vergnügungspark, in dem Lynn endlich gross genug war, um selbst zu fahren. Sie hat tagelang davon erzählt.
  • Spielplätze, allen voran der Umekoji in Kyoto. Plant nicht den ganzen Tag Tempel. Plant nach jedem Tempel einen Spielplatz.
  • Disneyland – viele Fahrten haben wir nicht geschafft, aber die Parade und “It’s a Small World” ziehen immer.

Universal Studios war vielleicht Overkill. Die meisten Bahnen haben eine Mindestgrösse, die Kinder durften also fast nirgends mit, und wir sind einen Tag lang an Dingen vorbeigelaufen, die sie nicht machen konnten. Die Parade war schön, aber sie allein trägt keinen ganzen Tag.

Und dann gab Hello Kitty Lynn ein High Five. Damit hatte sich der Tag gelohnt. Manchmal ist es genau ein Moment, der zählt, und nicht die Liste der Attraktionen, die man abgehakt hat.

🎒Was wir packen würden

  • Nehmt die Babytrage mit. Das ist nicht optional. Zwischen Treppen, Menschenmengen und Tempelkies gibt es viele Orte, an die ein Buggy schlicht nicht kommt. Wichtig: eine, in die das Kind auch wirklich hineinwill.
  • Ein Buggy reicht – auch wenn es Momente mit zwei müden Kindern gab, in denen wir uns das anders gewünscht hätten.
  • Packt nicht zu viel ein. Windeln, Pyjamas, alles was ihr vergesst, gibt es dort zu kaufen. Drogerien, Konbini, Supermärkte. Wir haben Sachen um die halbe Welt getragen, die wir um die Ecke hätten kaufen können.

🌅 Me-Time: früh morgens oder spät abends

Mit kleinen Kindern gibt es keinen freien Nachmittag. Es gibt aber zwei Zeitfenster, und die haben wir schamlos ausgenutzt.

Sechs Uhr morgens, bevor alle wach waren: joggen am Fluss in Kyoto. Das ist wunderschön – leer, still, das Licht über dem Wasser. Und acht Uhr abends, wenn die Kinder schliefen: shoppen. In Ruhe, ohne Buggy, ohne jemanden, der in zehn Minuten müde wird.

Wenn ihr also etwas für euch selbst wollt, plant es an den Rand des Tages. Dazwischen gehört der Tag den Kindern, und das ist auch völlig in Ordnung.

🛍️ Souvenirs

Die 100-Yen-Läden (Daiso) und normale Supermärkte sind ein Paradies. Don Quijote dagegen lassen wir beim nächsten Mal aus – zu viel, zu laut, zu voll. Mit Kindern sowieso, aber ehrlich gesagt auch ohne. Japanischer Tee, die berühmte Frischhaltefolie, die tatsächlich hält, süsse Picknickmatten – und so viel Hello Kitty, wie eure Mädchen heraushandeln können.

💛 Und: nochmal?

Ja, und wir kommen wieder. Aber mit einer Änderung: Fünf Standorte in siebzehn Tagen sind einer zu viel. Jeder Ortswechsel kostet den halben Tag, und mit kleinen Kindern kostet er mehr als das – er kostet den Mittagsschlaf, die Laune und den Abend.

Japan mit Kleinkindern ist absolut machbar, und es ist wunderschön. Mit etwas Flexibilität, langsamerem Tempo und viel Sushi wird daraus ein Abenteuer, das die ganze Familie liebt.

Wir kommen wieder 🙂

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